Programm
Programmflyer
Filme der kommenden Wochen
Amber Fares
USA/F, 93 Min
Ivrit, Arabisch/OmU
Im Namen ihres Dorfes ist eine Utopie formuliert, die Noam Shuster Eliassi von Kindheit an geprägt hat: Newe Shalom (hebräisch) oder Wahat al-Salām (arabisch) bedeutet in etwa „Oase des Friedens“. Die kleine Community von etwa 300 Menschen aus jüdischen und arabischen Familien wurde 1969 gegründet, liegt in Israel an der Grenze zum Westjordanland und erprobt gelebte Solidarität. So werden die Jüdin Noam und ihre palästinensische Freundin Ranin schon als Kinder zu Botschafterinnen der Verständigung, etwa wenn Hillary Clinton oder Jane Fonda zu Besuch kommen. Eine Karriere bei den Vereinten Nationen scheint vorgezeichnet.
In ihrer Comedyshow „Coexistence, My Ass!“, die Regisseurin Amber Fares als Leitmotiv nutzt, schlägt Shuster Eliassi hingegen schärfere Töne an. Mit ihrem beruflichen Wechsel von der Diplomatie zur politischen Komik – je nach Publikum auf Englisch, Hebräisch oder Arabisch – zeigt der Film sie als Kritikerin der Netanjahu-Regierung, vor und nach dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023. So spiegelt sich an ihrem Beispiel auch die Zerrissenheit in Teilen der israelischen Linken: Auf den tiefen Schmerz, selbst geliebte Menschen verloren zu haben, folgt bei Shuster Eliassi die Wut über den Gaza-Krieg. Was kann, was darf Humor in dieser Lage? Vielleicht dazu beitragen, über das Leid zweier Völker trauern zu können und die Utopie des Friedens, trotz allem, nicht aufzugeben.
Filmgespräch mit:
Dr. Claudia Baumgart-Ochse, Senior Researcher "Transnationale Politik" des Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung Frankfurt
Rosemarie Tuchelt, naxos.Kino
©UCM.ONE
Shalini Kantayya
USA 2020, 90 Min
Englisch/OmU
Künstliche Intelligenz bestimmt viele Bereiche unseres Alltags: etwa bei Suchmaschinen, Sprachassistenten oder in den Sozialen Medien. Darüber hinaus dominiert sie die Entwicklungen in Wirtschaft und Industrie. Doch zu glauben, dass die Technologie dabei als neutrale Instanz agiert, wäre ein Trugschluss: Die Algorithmen sind vor allem auf weiße, männliche Nutzer trainiert.
»Coded Bias« von Shalini Kantayya fragt, was dieses Ungleichgewicht für Menschen bedeutet, die dabei aus dem Raster fallen. Der Film zeigt Untersuchungen der MIT Media Lab-Forscherin Joy Buolamwini, die sich weit verbreiteter Voreingenommenheiten in Algorithmen widmet. Zuvor hatte sie entdeckt, dass viele Gesichtserkennungstechnologien dunkelhäutige Gesichter nicht richtig erkennen oder die Gesichter von Frauen nicht richtig klassifizieren. Aber selbst, wenn die Einstufung per Algorithmus "richtig" ist, bleibt das Problem der Überwachung und politischen Kontrolle.
Der Filmabend ist eine Kooperation mit dem Frauenreferat der Stadt Frankfurt
Filmgespräch mit:
Francesca Schmidt, Referentin - Bundeszentrale für politische Bildung, Vorständin netzforma e.V
Kenza Ait Si Abbou, Ingenieurin, KI-Expertin, Founder/CEO Scailers
Nelly Y. Pinkrah, Black Studies- und Medienwissenschaftlerin, TU Dresden
Moderation: Kisanet Tesfaye
© 2020 Coded Bias
Kristine Nrecaj, Birthe Templin
D 2024, 84 Min
Albanisch/OmU
WO/MEN erzählt die Geschichte von sechs albanischen Burrneshas - Frauen, die sich aus unterschiedlichen Gründen entschlossen haben, die soziale Rolle von Männern zu übernehmen. Eine Möglichkeit, die in der Tradition ihres Landes tief verankert ist. Sie haben diesen Weg gewählt, um patriarchalische Strukturen zu umgehen, um frauenfeindlichen Übergriffen zu entgehen, um ihre Familie wirtschaftlich zu unterstützen oder um eine Zwangsehe zu vermeiden - mit anderen Worten: um frei zu sein. Die Protagonistinnen des Films lassen uns an ihrem Leben und ihrer persönlichen Reise teilhaben. Sie sprechen über Freiheit und Unterdrückung und darüber, wie sie die Geschlechterschranken durchbrechen. Sie zeigen aber auch, welchen Preis sie dafür bezahlen. WO/MEN stellt Stereotype und gängige Geschlechterdebatten auf den Kopf und zeigt, dass das Leben als Frau noch immer als weniger wertvoll gilt, und das weltweit.
Filmgespräch mit:
Birthe Templin, Regisseurin
Ruth Fühner, naxos.Kino
©missingFILMS