Rückblick

Go Clara Go – die Kunst des kreativen Widerstands: Den Rahmen der DDR-Kunstansprüche sprengen

Die Entwicklung einer eigenständigen Kunstszene in der DDR der 1970er- und 80er-Jahre: Im Mittelpunkt stehen die Künstlergruppe „Clara Mosch“ und die genossenschaftlich organisierte „Galerie Oben“ in Chemnitz. Sie gingen abseits der offiziellen DDR-Kulturpolitik eigene Wege. Der Film begleitet ehemalige Mitglieder und Wegbegleiter, zeigt Archivaufnahmen von Aktionen, Ausstellungen und Künstlerfesten und rekonstruiert ein künstlerisches Umfeld, das unter Beobachtung der Staatssicherheit steht. Der Film dokumentiert, wie Kunst zum Raum für non-konformen Ausdruck wurde.

„Ich konnte mir keine Kunst in der DDR vorstellen, geht es doch um deren Wahrnehmung“, sagte Regisseurin Sylvie Kürsten. Die Ex-DDR-Künstler standen nach der Wende nicht mehr stark in der Öffentlichkeit, freuten sie aber über das geplante Filmprojekt. Denn damals wollten sie den Rahmen der DDR-Kunstansprüche sprengen.

Neben alten Filmen lieferten Stasi-Fotographien viel Dokumentationsmaterial. Immerhin sollen 140 Stasis auf die beiden Gruppen angesetzt worden sein. Im Gegensatz zu anderen DDR-Künstlern blieben sie vom Gefängnis verschont. Heute stehe die Künstlergruppe nicht mehr groß in Verbindung untereinander.

Laut León Krempel, Direktor der Kunsthalle Darmstadt, wurde DDR-Kunst im Westen unterbewertet, und die Enttäuschung des Nicht-Gesehen-Werdens seitens jener Künstler sei groß gewesen. Krempel selbst habe zehn Künstler und zehn Künstlerinnen mit jeweils vier Werken für eine Ausstellung ausgesucht. Jedoch sei das Echo eher gering gewesen. „Es kamen fast ausschließlich ehemalige DDR-Bürger.

„DDR-Literatur hat den Weg in den Westen geschafft. Malerei nicht. Warum?“, warf Moderatorin Rosemarie Tuchelt ein. Publikationen seien schneller möglich gewesen: „Das Wort verbreitete sich schneller als die Malerei. Malerei ist anders, auf Wenige begrenzt“, sagte Krempel. Das bestätigte Kürsten: „Sozialistischer Realismus aus dem Osten fand im Westen kein Interesse – außer Clara Mosch“. Die Leute seien jetzt 80 Jahre und nicht mehr 20 oder 30. Ihnen sei die Energie für den Kampf ausgegangen. „Alte weiße Männer, die über sich selbst reden.“

Ob kreativer Widerstand heute möglich bzw. nötig sei, etwa gegen den Rechtsruck, fragte Tuchelt nach. Für Kürsten bestehe der Wunsch danach. Krempel beurteilte die allgemeine Haltung zwar als kritisch, halte das aber für zu wenig.

Zum Filmgespräch Regisseurin Sylvie Kürsten, Dr. León Krempel, Direktor der Kunsthalle Darmstadt, und naxos-Moderatorin Rosemarie Tuchelt.

(rh)

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