Rückblick

2026-17-03: Ars vincit omnia – Blues March – Soldat Jon Hendricks

(c) Frankfurter Rundschau, Freitag, 13. März 2026

Nur sehr wenige Filme sind bei uns bisher mehrfach gezeigt worden – beim Filmemacher Malte Rauch musste dies aber unbedingt sein: Eine Verbeugung vor dem Lebenswerk und davor, dass er das naxos.KINO vor mehr als 20 Jahren mitbegründet und als steter Ideengeber begleitet hat.

Drängt sich anfangs der Rassismus in den Vordergrund, öffnen sich doch bald auch viele andere Ebenen:
– wie wird aus dem Leben von Jon Hendricks mit all seinen Demütigungen dann doch eine Köpenickiade, ein Schelmenroman, ein Robin Hood sondergleichen?
– Eine Auto-Biographie ist (seit Goethe) auch immer “Dichtung und Wahrheit”
– wo finden sich hinter oder in der Geschichte Verstörung, Vernichtung, Scheitern und wo musste in der Erzählung ausgeglichen, weggelassen oder geglättet werden?
– Jon Hendricks ergründet die Seele des Jazz im Aufeinanderprall von Sklaverei, neuer Sprache und Religion und wird filmisch ergänzt durch den Exkurs zu “Strange Fruits” – den Lynchmorden.

An Regie und Schnitt die Frage:
– Wie ist dieser Fall zu euch gekommen und wie war das Kennenlernen?
– wie planbar war dieses Unterfangen?
– auch hier: wie konnte aus der Begleitung von Jon Hendricks, den Ereignissen der Reise und seinen Erzählungen solch eine Film-Geschichte werden?
– So musikalisch wie diese Rassismus-Geschichte angelegt ist, welche Art von Komposition war nötig?
– Bildkomposition?
– Archivmaterial?
– Filmmusik?
– Wo ist das Erzählte mit seinem zutiefst verachtenden Rassismus kaum aushaltbar?
– Wie muss das Bild Amerikas im Nachkriegsdeutschland korrigiert werden?
– Was hat sich bei euch als Filmschaffende in der Beziehung zu Amerika mit diesem Film verändert?

Fallstricke des Urheberrechts und der besondere Charakter von Jon Hendricks – kann das nicht auch sehr anstrengend sein?

Als Resümee des Verhaltens von John Hendricks:
– Kreativität/ Frechheit siegt – ohne je einen Schuss abzugeben?
– Ars vincit omnia? (die Kunst besiegt alles) in dem Sinne: “ihr liebt alles, was lebendig ist – nur die da draußen wissen das nicht…”

Maltes Buchtipp:

Im Buchhandel über den Großhändler LIBRI zu bekommen
und in der Uni-Bibliothek BzG im IG-Farben-Haus Q1, 4.OG.

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W. Voss – naxos.KINO