Rückblick
Hessische Dokumentarfilmtage LETs DOK „Alone” & “Asho”: Ein Junge als Patriarch, der andere wird Filmstar
Alone: Seit der Vater des 14-jährigen Amir vor einigen Jahren verstorben ist, muss der Junge die Funktion des Familienoberhaupts erfüllen und die Verantwortung für seine Schwestern tragen. Er kann und will die 12-jährigen Zwillingsmädchen nicht zum Heiraten freigeben.
Asho: Zwischen Schafehüten und seiner verlobten Cousine Pari ist Asho ein leidenschaftlicher Filmfan, der das Schauspielen liebt und von Hollywood träumt. Aber bis zum großen Durchbruch bilden die Familie, die Landschaft und die nach Promis benannten Schafe sein Publikum.
Moderatorin Melanie Gärtner fragte ihn, wie er das Vertrauen der Kinder gewonnen habe. Sie sprachen dieselbe Sprache, Najafi war als Regisseur bekannt, so dass er die Menschen in dem abgelegenen Gebiet aufsuchen konnte. Die Protagonisten, zwei Jungen und drei Mädchen, waren Regisseur Jafar Najafi sehr nah, weil er ihre Lebensumstände gut kannte. Najafi merkte, dass Asho mehr über Filme wusste als sein Vater und Schauspieler werden wollte. Er habe Asho zum Film vermittelt: „Der Junge ist inzwischen einer der beliebtesten Kinderschauspieler und geht schon auf Rollen als junger Mann zu“, so der Regisseur.
Amir hingegen wirkte oft verzweifelt und machte sich große Sorgen um das Schicksal seiner Schwestern. „Ich habe ihn von seinem Stresslevel heruntergeholt, so dass er entspannter wurde und ruhig reden und sich vor der Kamera bewegen konnte“, sagte Najafi. Er habe Amir unterstützt, was dazu führte, dass seine beiden Schwestern nicht ältere Männer geheiratet haben, sondern inzwischen zur Schule gehen und lernen. Aber Amir sei immer noch vom patriachalischen Denken und Handeln geprägt. Dies vor allem vor dem Hintergrund der Ermordung seiner älteren Schwester in deren Ehe als Warnzeichen.
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Gast-Moderation Melanie Gärtner, Programmleiterin Hessische Dokumentarfilmtage LETs DOK (r.) im Gespräch mit dem iranischen Regisseur Jafar Najafi und der Dolmetscherin.
(rh)
naxos-Kino