Rückblick

DER HELSINKI EFFEKT: Hat die Konferenz den Kalten Krieg entschärft?

Nach 672 Verhandlungstagen wird am 1. August 1975 die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki unterzeichnet. Regisseur Arthur Franck entwickelt humorvoll aus Archivmaterial und KI-generierten Dialogen die wahre Bedeutung dieses zähen diplomatischen Marathons: Das Dokument entschärfte nicht nur den Kalten Krieg, sondern trug u.a. durch Forderungen nach mehr Reise- und Informationsfreiheit wohl auch zur Auflösung des Eisernen Vorhangs bei.

„Der Film ist nicht so langweilig wie die Konferenz selbst“, sagte hr2-Moderator Ulrich Sonnenschein. Es handele sich um eine bildliche Konstruktion, mit der neben Unterhaltung auch historisches Wissen vermittelt werden solle. „Zwar verstößt der Regisseur gegen alle Regeln eines Dokumentarfilms, aber er macht es klasse.“ Wenn so Geschichtsunterricht aussähe, würden vermutlich alle freiwillig in diesen Kurs gehen.

Für Politikstudent Falk Schweda war es wichtig, dass die Politik der KSZE bis heute nachwirkt. Insofern nannte er den Film „einzigartig“. So vermittele der Duktus der Sprache durch KI eine Originalität, die zwar nicht original, aber gut eingesetzt sei. KI schaffe hier künstlerisch einen Rahmen, indem sie etwa dem damaligen russischen Generalsekretär Leonid Breschnew und US-Außenminister Henry Kissinger in sowohl russisch als auch amerikanisch anmutende Statements verhilft, so Sonnenschein.

Insgesamt zeigte der Film, dass Politik nicht laut sein muss, um wirksam zu werden. Sie kann auch langsam, absurd und dabei erstaunlich unterhaltsam sein.

Bild:
(v.l.n.r.) Dr. Ulrich Sonnenschein, Redakteur, Autor und Moderator bei hr2-Kultur, und Falk Schweda, Stud. Politikwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt mit Christina Budde vom naxos.Kino.

(rh)

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