Rückblick

Soldaten des Lichts: Fragwürdige Parallelwelten

Alternative Influencer, Verschwörungsideologien und radikale Esoterik. Der vegane Influencer David Ekwe Ebobisse inszeniert sich unter dem Pseudonym „Mister Raw“ als Reichsbürger. Er betreibt u.a. einen Webkanal mit fragwürdigen Gesundheitstipps und angeblichen Heilmitteln. Weitere Akteure kommen aus dem Umfeld von Esoterik, Wunderheilung und Reichsbürgerszene, darunter Peter Fitzek, der sich als „König“ des sogenannten „Königreichs Deutschland“ bezeichnet: Parallelwelten jenseits gesellschaftlicher Normen und Gefahren, die von ihnen ausgehen.
Wie die Filmemacher das Vertrauen dieses Verschwörers gewonnen haben, fragte Hadwiga Fertsch-Röver nach. „Die wollen wahrgenommen werden“, so Regisseur Julian Vogel, „wir wollten verstehen, was deren Antrieb ist und sie bewegt“. Über Politik, Esoterik und Verschwörung habe man nicht geredet.
David und die Leute aus seinem Umfeld hätten sich und untereinander vor der Kamera stets inszeniert. Vogel blieben jedoch Zweifel an ihrer inneren Überzeugung. Die Integration der Frauen innerhalb dieser Reichsbürgerszene bezeichnete Vogel „mehr als Mägde, wobei sie jedoch in traditionellen Rollen verhaftet blieben“.
Im Lauf der Dreharbeiten hatte sich neben David der „Patient“ Timo zum zweiten Protagonisten entwickelt, hochgradig psychotisch und von David mit Arbeitsaufträgen ausgebeutet. Dass Timo zweiter Protagonist des Films wurde, sei ein Ergebnis des Filmschnitts. Als er im Film das letzte Wort bekam, sei sein Tod nicht abzusehen gewesen. David rechtfertigte seine „Therapie“ mit den hohen Kosten während des Aufenthalts in seiner Einrichtung. Um diese auszugleichen, nutzte er Timo als Diener und Sklaven aus, der ohne Bezahlung arbeitete und sich vegan ernähren musste. Drei Monate nach Ende der Dreharbeiten starb Timo mit 41 Jahren. Für dessen Tod zeigte sich David nicht verantwortlich.
Bild: Filmgespräch mit Regisseur Julian Vogel und naxos-Moderatorin Hadwiga Fertsch-Röver.
(rh)

naxos-Kino