Rückblick
Manche mögen´s falsch: Original oder Fälschung?
In der chinesischen Fälscherstadt Dafen malen tausende Künstler Tag und Nacht die Meisterwerke von van Gogh, Monet und Rembrandt. Jährlich verlassen mehr als 10 Millionen Bilder die Ateliers, die rund um die Welt in Großbestellungen nach Europa und Amerika verkauft werden. Stanislaw Mucha wirft einen Blick auf Originale, Kopien und den Wert der Kunst, ein Dokumentarfilm über Kreativität im Zeitalter der unbegrenzten Reproduktion.
Auf die Idee zum Film gekommen ist Regisseur Mucha in einem Pfandleihgeschäft in Mannheim. Eine russische Ikone stand zum Verkauf, angeblich ein Rettungsstück der Großmutter des Anbieters. Schweizer Experten stellten später fest, dass das Werk 1000 Jahre älter war als angegeben.
Die Drehgenehmigung hatte er in der internationalen Stadt Shanghai erhalten. Sie reisten dann als normale Touristen ein, so dass sie chinesische Wachmannschaften nicht als Filmemacher identifizieren konnten. „Den Protagonisten haben wir den Film gezeigt, aber das große Publikum durfte ihn bisher nicht sehen“, sagte Mucha. Farben, vorrangig Öl statt chinesischer Tusche, Leinwände und Staffelagen würden „geheim“ aus Europa importiert und vor Ort „auf das Alt alter Meister gemacht“.
Die chinesischen Hersteller sähen sich eher als Nachahmer, nicht als Fälscher. Allerdings kämen zahlreiche Nichtkönner hinzu, die ausschließlich Geschäfte machen wollten, jedoch weder über ein Atelier noch eigene Farben und Materialien verfügten. Aus der allgemeinen Massenproduktion gingen jährlich etwa 370.000 Gemälde nach Saudi-Arabien und weit mehr nach Europa, Australien und in die USA. Muchas zum Tenor der Käufer: „Wenn ich mir schon kein Original kaufen kann, nehme ich eben eine Abmalung“.
Foto: Zum Filmgespräch begrüßte Moderatorin Hadwiga Fertsch-Röver vom naxos.Kino Regisseur Stanislaw Mucha.
(rh)
naxos-Kino