Rückblick

Die Akte USA gegen John Lennon: Vom Popstar zum politischen Aktivisten

Foto: Ruth Fühner vom naxos.Kino im Gespräch mit Peter Kemper, u.a. Autor von „Die Beatles” und „John Lennon – Leben, Werk, Wirkung”.

Die Präsentation „One to One: John und Yoko“ ist dem naxos-Kino aus urheberrechtlichen Gründen kurzfristig untersagt worden. Das Kino reagiert durch „Filmpräparator“ Herbert Groh, der eine Alternative „aus dem Ärmel“ zaubert. Dazu freier Eintritt für die Gäste.

„Die Akte USA gegen John Lennon“ zeigt den Wandel von Lennon vom berühmten Beatles-Musiker zum politischen Aktivisten Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre. Zusammen mit Yoko Ono kämpft er gegen den Vietnamkrieg und organisiert berühmte Aktionen wie die „Bed-Ins“. Lieder wie „Give Peace a Chance“ werden zu Hymnen der Friedensbewegung. Wegen seines großen Einflusses auf die Öffentlichkeit sieht die Regierung unter US-Präsident Richard Nixon in Lennon eine Bedrohung. Das FBI observiert Lennon, hört sein Telefon ab und die US-Behörden versuchen jahrelang, ihn aus dem Land zu weisen. Ohne Erfolg.

Zu Beginn spricht Ruth Fühner den Unterschied zwischen damals und heute an, den sie aktuell als „Friedhofsstille“ bezeichnet. Peter Kemper bestätigt, dass die damalige Zeit von einer Umbruchsstimmung gekennzeichnet war: „Heute fehlt eine Integrationsfigur wie Lennon, eventuell noch Bruce Springsteen“, aber politische Aktionen von Künstlern könnten für diese „gefährlich werden“. Fanproteste nach damaliger Lennon-Art würden heute etwa 50 Prozent der Springsteen-Anhänger verschwinden lassen. „Die heutige Popkultur erzeugt keinerlei Gegenbewegung mehr, weil sich die Fans dem politischen Protest kaum anschließen“.

Social media zersplittere zudem, schaffe keine gemeinsame Linie mehr, sondern wirke vereinzelndend. So sei bereits Lennons Mörder Chapman ein „geisteskranker Einzeltäter gewesen, der sich als Inkarnation von Lennon hielt.

Yoko Ono galt als Sargnagel der Beatles, aber „sie war das Beste, das Lennon passieren konnte. Sie war ein Segen für ihn“, so Kemper. Die Beiden seien eine Symbiose gewesen und Lennon habe durch sie neue, ihm bisher verschlossene Welten entdeckt. Zwar seien Lennons Beatles-Songs besser gewesen als seine Soloprojekte. Aber er wollte seine Botschaft in eingängigen Songs vermitteln und nichts mehr genialistisch wie zu Sergeant Pepper-Zeiten veröffentlichen. „Das Beste an Lennon war seine Authensität“, schloss Kemper.

rh

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