Rückblick

We All Bleed Red: Portraits mit echter Nähe oder „hochtheatralische Profile“?

Foto v.l.n.r.: Filmgespräch mit Florian Albrecht-Schoeck, Dipl.Designer, Fotograf, künstlerischer Mitarbeiter für Fotografie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, und Gunter Deller, Dipl.Designer, Fotograf und Experimentalfilmer, Lehrbeauftragter Goethe-Universität sowie Programm-Mitbetreiber des Mal Seh’n Kinos, mit naxos- Moderatorin Carola Benninghoven.

Der Fotograf Martin Schoeller lebt seit 30 Jahren in den USA. Mit seinen Ultra-Nahaufnahmen von Persönlichkeiten wie u.a. George Clooney, Barack Obama oder Taylor Swift ist er berühmt geworden. Seine Stiefschwester Josephine Link nutzt als Regisseurin ihre persönliche Beziehung. Sie begleitet ihn bei seinen Porträtprojekten, in denen er Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen fotografiert: Obdachlose, Dragqueens, Mitglieder der LGBTQI+-Community, zu Unrecht zum Tode Verurteilte sowie Native Americans.

Zweifelhafte Eingangsfrage: ein Film über Schoeller und seine Fotos oder über die USA mit exotischen Menschen? Für Gunter Deller ist der Film nüchtern, da Schoeller nicht kommentiere, jedoch zu wenig reflektiere. Eine schwierige Verkettung einzelner Schicksale, fand Florian Albrecht-Schoeck, jedoch ohne deren Dramatik aufzuzeigen. Es sei eher ein Kratzen individueller Einzelstücke an deren Oberfläche ohne die Hintergründe zu aufzuzeigen. So zeigten die Close.up-Portraits zwar „physikalische Nähe“, real handele es sich um „hochtheatralische Profile“.

Carola Benninghoven verwies auf die von Schoeller errichteten kleinen Kabinen, die den jeweiligen Fotografierten als Schutzräume dienen sollten. „Warum die Nähe, warum die Details etwa bei Obdachlosen““, fragte Deller. Denn bei den Portraits handele es sich jeweils nur um einen freigestellten Kopf auf weißem Hintergrund. Damit verwische er die Unterschiede zwischen saturierten Prominenten und Outcasts. Warum der Film vom naxos-Team ausgewählt wurde, hieß es seitens des Publikums. Dazu Benninghoven: „Wegen der Sozialprojekte, nicht wegen der Promis“.

(rh)

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